Entkoffeinierter Kaffee – das musst du wissen!

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Kaffee ohne Koffein – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Koffein ist schließlich Dein Treibstoff für den Start in einen neuen Tag. Nach dem Mittagessen verscheucht ein Becher mit koffeinhaltigem Kaffee zuverlässig das Mittagstief.

Mal ehrlich: Allenfalls alte Menschen oder Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Herzschwäche trinken entkoffeinierten Kaffee. Aber Du doch nicht! Neulich hattest Du im Einkaufsstress aus Versehen die entkoffeinierte Variante von Deinem Lieblingskaffee erwischt. Was hast Du Dich später zu Hause geärgert! Du könntest zwar den Kaffee verschenken, aber wem? Deine Großeltern trinken lieber Tee. Deine Freunde würden Dich auslachen. Am besten mischst Du peu à peu ein wenig vom koffeinfreien Kaffee unter Deinem gewohnten Kaffee, bis das ungewollte Päckchen aufgebraucht ist. Das wird dauern.

Dabei lohnt es, sich einmal näher mit entkoffeiniertem Kaffee zu beschäftigen, der völlig zu Unrecht bei Generationen jüngeren und mittleren Alters so verrufen ist.

Kaffeegenuss zu jeder Tageszeit

Klar, als Muntermacher taugt koffeinfreier Kaffee nicht. Aber genau dies bedeutet gleichfalls einen Vorteil: Du kannst Dir mit koffeinfreiem Kaffee auch abends noch ein Tässchen schmecken lassen, ohne Deine Nachtruhe zu gefährden. Gerade wenn Du bei Kaffee nicht nur die belebende Wirkung schätzt, sondern ebenso den typischen Kaffeegeschmack, brauchst Du Dir keinen Zeitpunkt mehr zu setzen für die letzte Tasse Kaffee des Tages. Selbst beim abendlichen Schauen Deiner Lieblingsserie brauchst Du künftig nicht länger auf Dein Lieblingsgetränk zu verzichten.

Nur verwechseln solltest Du Deine beiden Kaffeevarianten natürlich nicht – sei es am Morgen oder am Abend. Unser Tipp: Bewahre koffeinfreies Kaffeepulver in einem besonderen Gefäß auf, zum Beispiel in einer geräumigen Brotdose aus Edelstahl.

Kaffee trinken in der Schwangerschaft

Hier streiten sich die Gelehrten: Hat Kaffeetrinken während der Schwangerschaft einen nachteiligen Effekt auf das ungeborene Kind? Kann ein Fötus schon Koffein abbauen, welches über die Plazenta in seinen Organismus gelangt? Da ein solcher Effekt bisher weder bestätigt noch ausgeräumt werden konnte, scheint er zumindest sehr gering zu sein. Werdende Mütter, denen es schwerfiele, neun Monate lang ganz auf Kaffee zu verzichten, sind daher mit entkoffeinierten Kaffee Bohnen bestens bedient. Wer nicht nur auf den Geschmack Wert legt, sondern auch auf den Koffein-Kick, kann Kaffee mit und ohne Koffein parallel nebeneinander verwenden. Einen Versuch wert ist die Methode, koffeinhaltigen Kaffee mit koffeinfreiem Kaffee im Verhältnis 1:1 zu strecken.

Als Empfehlung für den Kaffeegenuss in der Schwangerschaft gilt eine Koffeinmenge von maximal 200 mg pro Tag, insgesamt also gut zwei Tassen. Diese Menge entspricht der Hälfte der empfohlenen maximalen Tagesdosis von 400 mg Koffein für einen gesunden Erwachsenen. Isst Du außerdem gern Schokolade und andere kakaohaltige Nahrungsmittel und trinkst Du gern schwarzen oder grünen Tee, berücksichtige bitte, dass auch darin Koffein steckt. Ferner enthalten einige Medikamente Koffein. Verwendest Du regelmäßig solche Produkte, beschränkst Du Deinen Konsum von koffeinhaltigem Kaffee lieber auf eine Tasse täglich und genießt weitere Tassen der entkoffeinierten Variante.

Sind entkoffeinierte Kaffee Bohnen immer zu 100 % koffeinfrei?

Für koffeinfreien Kaffee wird das ursprünglich darin enthaltene Koffein extra herausgelöst: auf traditionelle Art mithilfe von chemischen Lösungsmitteln sowie mit modernen schonenderen Methoden ohne chemische Lösungsmittel. Eine Koffeinfreiheit von 100 % lässt sich dabei allerdings nicht erreichen. Ein winziger Rest Koffein bleibt stets im Kaffee zurück. Innerhalb der EU darf nur Kaffee mit einem Restkoffeingehalt von höchstens 0,1 % als „entkoffeiniert“ bezeichnet werden.

Wie wird Kaffee entkoffeiniert?

Der Koffeinentzug bei Kaffee kann sowohl mit als auch ohne chemische Lösungsmittel erfolgen. Wir stellen Dir jetzt beide Methoden vor:

Entkoffeinierung mit chemischen Lösungsmitteln

Als Lösungsmittel zum Entkoffeinieren von Kaffeebohnen kommen die Chemikalien Dichlormethan und Ethylacetat zum Einsatz. Dafür werden die Bohnen mit Wasserdampf vorbehandelt: Sie quellen auf und ihre Poren erweitern sich. Nun kann das Koffein über die direkte oder indirekte Methode entfernt werden.

Direkte Methode: Die Kaffeebohnen kommen mindestens zehn Stunden lang in Dichlormethan oder Ethylacetat. Hierbei entweicht das Koffein durch die weitgestellten Poren der Kaffeebohnen. Danach kommen die entkoffeinierten Bohnen für weitere zehn Stunden in eine Trockenkammer.

Indirekte Methode: Hier löst heißes Wasser aus den Kaffeebohnen des Rohkaffees sämtliche wasserlöslichen Anteile einschließlich Koffein heraus. Entweder das Dichlormethan oder das Ethylacetat lösen nun aus dieser Flüssigkeit das Koffein heraus, bevor die verbliebene Flüssigkeit zusammen mit neuen Kaffeebohnen den bereits entkoffeinierten Bohnen hinzugeführt wird und der Prozess erneut abläuft. Es kommt dabei zu einer ausgewogenen Löslichkeitsbalance, bei der nur noch das Koffein der Bohnen entweicht.

Obwohl weit verbreitet – gerade bei großen Kaffeeproduzenten – wirft der Einsatz von chemischen Lösungsmitteln zum Koffeinentzug die Frage auf, inwieweit er die Gesundheit beeinträchtigen kann. So steht Dichlormethan im Verdacht, krebserregend zu sein. Doch wie sagte schon Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht es, dass ein Ding kein Gift sei.“ Hinzu kommt, dass in der EU ein strenges Lebensmittelrecht gilt, das ein Genussmittel wie Kaffee einbezieht.

Entkoffeinierung ohne chemische Lösungsmittel

Die Alternative zur chemischen Entkoffeinierungsmethode ist der Koffeinentzug ohne chemische Lösungsmittel. Gegenüber der Behandlung der Kaffeebohnen mit Chemikalien liegt hier der Vorteil nicht einfach nur im Verzicht auf Ethylacetat oder Dichlormethan. Die beiden lösungsmittelfreien Methoden sind zudem schonender für die Bohnen und sorgen für einen besseren Erhalt der Kaffeearomen.

Swiss Water® Process als Heißwassermethode zur Entkoffeinierung: Ähnlich wie bei der indirekten Methode wird das Koffein aus den Bohnen mit heißem Wasser gelöst und danach das nun koffeinhaltige Wasser über einen Aktivkohlefilter geschickt. Den daraufhin koffeinfreien Kaffeebohnen werden wiederum zusätzliche koffeinhaltige Bohnen hinzugefügt und in weiteren Schritten erneut der Entkoffeinierungsprozedur unterzogen – so lange, bis der Kaffee wie gewünscht entkoffeiniert ist.

CO₂-Methode zur Entkoffeinierung: Bei der CO₂-Methode kommt der Rohkaffee zunächst zur Befeuchtung mit Wasserdampf und Wasser in einen Tank. Erst nach dieser Vorbehandlung kann das anschließend in den Tank eingeleitete flüssige CO₂ das Koffein aus den Bohnen herauslösen. Nach diesem Entkoffeinierungsprozess wird das Koffein-CO₂-Gemisch aus dem Behälter geleitet und für eine spätere Verwertung separat aufbewahrt. Das Verfahren wird so lange wiederholt, bis der Koffeingehalt unter 0,1 % liegt.

Beide lösungsmittelfreien Entkoffeinierungsmethoden gelten als gesundheitlich unbedenklich. Sie sind allerdings aufwendiger als die traditionellen chemischen Verfahren. Es sind vor allem junge Kaffeefirmen von Unternehmern mit stärkerer Tendenz zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit, die ohne Lösungsmittel erzeugten koffeinfreien Kaffee anbieten, häufig in Bio-Qualität.

Besteht koffeinfreier Kaffee den Geschmackstest?

Die meisten Kaffeegenießer ziehen Kaffee aus lösungsmittelfrei entkoffeinierten Kaffee Bohnen vor. Durch das schonendere Verfahren bleiben nahezu alle kaffeetypischen Aromen enthalten, die passionierte Kaffeetrinker so sehr schätzen. Dabei schmeckt koffeinfreier Kaffee milder als seine koffeinhaltigen Varianten. Magst Du Kaffee lieber kräftig, nimmst Du zur Zubereitung entsprechend mehr Kaffeepulver.

Blick in die Zukunft

In Äthiopien, dem mutmaßlichen Ursprungsland der Kaffeepflanze, haben Forscher vor einigen Jahren Kaffeepflanzen entdeckt, die von Anbeginn frei von Koffein heranwachsen. Du darfst also hoffen, dass eines Tages Kaffee erhältlich sein wird, der nicht mehr extra entkoffeiniert werden muss. Noch sind die Erträge gering. Von der Vorfreude bis zum ersten Schluck wird es also ein wenig dauern. Aber die Kaffeeerzeuger arbeiten intensiv daran.

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